Mittwoch, 4. Juni 2008

Ich habe mich bewusst....

.....in den letzten Tagen zurückgehalten (es kann auch an meiner Faulheit liegen....), doch all die Warterei und Protestbriefschreiberei half nichts.
Die Ukraine war auch in diesem Jahr nur Zweiter beim Eurovisionssongcontest, was soll man da machen (dass Julio Igleasias heute am Abend ein Konzert in Kiev gibt, hilft da auch wenig....).

Und Russland gewann in Serbien, dabei eben dort in diesem Land erst vor ein paar Wochen Wahlen und da will man uns weismachen, dass Serbien Richtung Westeuropa tendiert und dann so ein Ergebnis bei solch einem wichtigen Ereignis. Will man mich für dumm verkaufen?!

Auch die von mir beschriebenen Wahlen zum Kiever Bürgermeister fanden statt; hier war die große Überraschung (nein, hier gewann nicht Russland....), dass der alte Bürgermeister Leonid Tschernowezki (sie erinnern sich, dass ist der mit den groben Ungereimtheiten, die finanzielle Natur betreffend, während seiner Amtsführung aber das kann ja passieren...)
sich deutlich in seinem Amt bestätigen konnte (zur Überraschung von sehr vielen).

Also alles so wie es vorher war und das müssen sie hier in diesem vollkommen überflüssigen (und das war die erste und letzte einstimmige Entscheidung in einer UNO Hauptversammlung) Blog lesen.

Wenn Sie was lesen wollen, dann lesen Sie etwas Gscheites. Schalten Sie den Computer jetzt aus, gehen sie zum Bücherschrank und nehmen sie sich irgendwas, schlagen von mir aus irgendwo auf und fangen an zu lesen und wenn`s das Telephonbuch ist, es ist noch immer besser als das hier.

Was ich momentan lese und wann ich zwischen all dem Alkohol und dem Drang sich vermehren zu wollen die Zeit dafür finde, ist jetzt nicht wichtig.

Wenn sie aber das jetzt wissen wollen (und mir dabei die Möglichkeit gegeben wird sie zu fragen, warum ihr Computer noch immer eingeschalten ist, wenn sie diese Zeilen lesen....) dann antworte ich, dass man jetzt in den kommenden Wochen und Monaten (zB wenn sie das Pech haben Eintrittskarten für eine in den Ländern Schweiz und Österreich stattfindende sportliche Großveranstaltung zu besitzen, dann kann man ja während des Besuches einer derartigen Veranstaltung ein gutes Buch lesen.....), sprich also im Sommer dann sollen es Bücher von Andrej Jurjewitsch Kurkow sein.

1961 in St Petersburg geboren, in Kiev aufgewachsen und durch Studium am staatlichen Fremdspracheninstitut ein polyglotter Mensch sondergleichen, der seit fast 20 Jahren der Schriftstellerei zugetan ist und von Zeit zu Zeit auch gar nicht so schlecht schreibt. Er war 2002 Künstler der Jahres in der Ukraine und beschäftigt sich neben seinen Büchern auch mit der Drehbuchschreiberei. Die zwei, drei Romane, die ich ihnen von Andrej Kurkow nahe lege sind:







Alle Bücher im Diogenes Verlag erschienen.

Kurkow ist zwar nicht die ganz große Literatur (aber das ist ja relativ) doch für den Sommer reicht's und mit einer Menge Phantasie kann man sich (für´s "Fliegende Klassenzimmer" hat es ja auch gereicht) kalte, schneereiche Kiever Wintertage vorstellen.

Die etwas komplizierteren aber dafür umso besseren (aber auch das ist wieder relativ) Ausgaben von einem Dostojewski zum Beispiel (herrliche Bücher wie "Verbrechen und Strafe" oder "Der Idiot",usw...) gehen wir dann durch wenn sie wieder nüchtern sind und sich die Landesfarben von ihrem europäischen Lieblingsland von der Wange gekratzt haben meint

Gert.

Mittwoch, 21. Mai 2008

So, wo waren wir....

...ach ja:

1.) Kiever Bürgermeisterwahlen (ja wer kann denn das sein...) am kommenden Sonntag!

Im März 2006 fanden die letzten Bürgermeisterwahlen hier in dieser schönen (fast schon hochsommerlichen, was Sonne und Bekleidung ausmacht...) Stadt und seitdem ist Leonid Tschernowezki der Oberindianer hier, der den Ruf hat ein bisschen teuer zu sein, seine Funktion ausnützend sich bereichert zu haben, Grundstücke in Naturschutzgebieten (ja so etwas gibt es auch hier.... (und nicht nur das 90 Kilometer nördlich von Kiev sich befindende, wo man nur sehr schwer reinkommt) als Bauland umgewidmet zu haben und überhaupt soll die Vergabe von Immobilien (und da tut man sich auch mal gern eine Schlägerei mit dem Innenminister an...) sehr suspekt abgelaufen sein (oh mein Gott, ich kann es nicht glauben, das hör ich zum ersten Mal, für mich bricht eine Welt zusammen, doch nicht hier.....). Grundstücke sind ganz ein heißes Thema in Kiev, da weiß man oft nie wer was wann wie bekommt, sehr suspekt, zB stellen sie sich vor, ein großes schwedisches Möbelunternehmen (ich erwähne keinen Namen, da ich mit diesem Unternehmen keinen Werbevertrag habe) versucht seit Jahren schon in Kiev einen Standort zu bekommen.....so geht es vielen "westeuropäischen" Großunternehmen. Ja ja, das hat so seine besonderen Gründe...

Sei´s drum denkt sich in solch einem Fall Frau Julia Timoschenko nicht und kündigte als eines ihrer Wahlversprechen vom letzten Frühherbst an, sich gegen solche Gemeinheiten vorzugehen.
Gesagt, Wahl gewonnen und im März eben dieses Versprechen umgesetzt und mit Unterstützung des Herrn Präsidenten Juschtschenko wurde Herr (so viel Zeit muss sein) Bürgermeister Tschernowezki seines Amtes enthoben und die Durchführung vorgezogener Neuwahlen (wobei man noch immer nicht genau weiß, ob man eben diese so einfach hätte beschließen können aber da Tschernowezki dem zustimmte fragt jetzt niemand mehr warum, wobei die Warumfrage generell....lassen wir das....) wurde beschlossen.

So wird also nächsten Sonntag gewählt und Leonid Tschernowezki läßt sich den Spaß nicht nehmen noch einmal zu kandidieren. Die anderen Kandidaten sollen mein ewiges Geheimnis bleiben. Halt, einen werden sie vielleicht noch kennen, Herrn Vitali Klitschko



(soll früher Boxer gewesen sein, der bis zu seinem 15. Lebensjahr alle Kämpfe gegen seinen, um 5 Jahre jüngeren, Bruder durch KO gewann, mehr weiß man eigentlich nicht...) der zum zweiten Mal an der Wahl zum Kiever Bürgermeister teilnimmt. Jetzt, so scheint es will er es wissen, versucht er mit aller Kraft Stimmen damit zu gewinnen indem er den 24stündigen U-Bahnbetrieb für Kiev erreichen will. Das heißt, ich kann vielleicht auch bald in der Nacht zugfahren und da ich eigentlich aus einer Stadt komme wo man das weder ober noch unterirdisch machen kann, ich mein...ich würde ihn wählen.....nicht nur deswegen da ja er als ehemaliger Boxer gegen welchen Minister auch immer mehr Chancen hätte.

Kiev wird schon seit Wochen uebersäht von Werbungen, Parteireklamen,



Leute die stundenlang mit einer Fahne (ausnahmsweise eine solche die man sieht...) auf Straßen für ein paar Gryvnia stehen,



Leute die stundenlang für ein paar Gryvnia mehr in solchen schmucken Unterkünften Wähler gewinnen wollen



(wobei Wähler gewinnen wollen ja übertrieben ist, würde eine andere Partei auch nur einen Kopeken mehr zahlen für solche Aufgaben, so wechseln die vom orangen Häuschen in ein blaues.....so schnell dreht sich nicht einmal ein Wetterhahn....).

Wobei warum die Sorge, wenn man einem Artikel der Zeitung "Korrespondent" glauben schenken darf dann geht's doch um ganz was anderes:

Wählerstimmenkauf in Kiew?

Der Wert einer Stimme bei den Wahlen zum Bürgermeister der Stadt Kiew beträgt, den Angaben des Gorschenina-Institutes nach, bis zu 100$.

In der Mitteilung des Institutes, welche am Dienstag verbreitet wurde, heißt es, dass die Mehrheit der Wahlstäbe zum direkten Kauf von Wählerstimmen im Laufe der Vorwahlkampagne in Kiew übergegangen sind.
Das Gorschenina-Institut führte eine telefonische Befragung in Kiew mit dem Ziel durch herauszufinden, wer von den Teilnehmern an der Vorwahlkampagne in der Hauptstadt den Kiewern Geld für ein entsprechendes Kreuzchen auf den Wahlscheinen anbietet. Im Ergebnis der Umfrage stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Wahlstäbe zum direkten Kauf von Wählern übergegangen ist.

“Das bedeutet, dass zum heutigen Tage in Kiew keine Rede vom Wettbewerb der politischen Programme oder der Persönlichkeiten sein kann. Zum heutigen Zeitpunkt ist der Kiewer Wahlkampf ausschließlich zum Kampf der Technologien beim direkten Kauf der Wählerstimmen verkommen.”, erklärte der Direktor des Institutes Kost Bondarenko.
Er fügte weiter hinzu: “Dabei werden denken sich alle neue Methoden aus, so dass im Vergleich das Vorbild der Technologie Tschernowezkijs (der amtierende Haupstadtbürgermeister Leonid Tschernowezkij) von 2006 wie ein Kindergarten wirkt.”
“Von welchen demokratischen Wahlen und welcher europäischen Ukraine ist hier die Rede?”, resümierte der Experte.
Wie bereits mitgeteilt wurde, erklärte der Block Witalij Klitscho, dass die Kiewer Wahlkommission in einigen Wahlkreisen bis zu 52 Hochhäuser nicht in die Wählerlisten aufgenommen hat.

Gestern verkündete die Co-Vorsitzende der Fraktion des Blockes Leonid Tschernowezkij im Kiewer Stadtrat, Alla Schlapak, dass die Struktur der Vertretung der politischen Kräfte in der Leitung und in den Listen der Teilnehmer der Wahlkommission die Voraussetzung für Fälschungen oder die Sabotage der Wahlen am 25. Mai in Kiew schafft.


Oh mein Gott, ich kann es nicht glauben, das hör ich zum ersten Mal, für mich bricht eine Welt zusammen, doch nicht hier meint

Gert

Montag, 19. Mai 2008

Nächstes Wochenende finden großartige Ereignisse statt, die unser allen Aufmerksamkeit verdienen

1.) Kommenden Sonntag werden hier in Kiev Bürgermeisterwahlen abgehalten (aber dazu in den nächsten Tagen mehr..)

und

2.) es findet am kommenden Samstag in Belgrad (meine europäische Lieblingsstadt! Vergessen Sie Rom!) der Eurovision Songcontest 2008 statt und da Frau/ Herr Verka Serduchka



mit dem ukrainischen Beitrag " Lasha Tumbai" letztes Jahr unsere Herzen eroberte, hält man es vor Spannung kaum mehr aus wie der ukrainische Beitrag wohl heuer klingen wird. Wer tritt nun dieses schwere Erbe an fragen sie sich und da lass ich mich nicht lumpen, Herr und Frau Stammleser, da habe ich all meine Beziehungen spielen lassen und auf "google.at" prompt den ersten Treffer angeklickt um diese unschätzbare Information zu erfahren!

Es ist (nicht Valentino, nein...), es ist...., es ist (Trommelwirbel!) Frau Ani Lorak, eigentlich "Karolina Myroslavivna Kuiek" (und jetzt schauen sie sich mal die Namen "Ani Lorak" und "Karolina" genauer an; (nicht kafkaesk sondern eher mit Absicht!)), mit dem Lied "Shady Lady", wer hätte das gedacht und diese Frau schaut so aus (für ukrainische Verhaeltnisse wohl unterer Durchschnitt aber mein Gott ja, da müssen wir durch.....):





Da sie also nicht gerade zu den Hübschesten zählt und auch recht unaufregend gekleidet ist, schauen wir mal was die Dame sonst so gemacht hat:

1978 geboren (mein Gott, im September wird sie 30, in dem Alter hat sie nie und nimmer Chancen zu gewinnen...), hat früh mit dem Singen begonnen, lernte irgendwann einen Produzenten kennen, mit 14 Jahren ersten Vertrag und Singsang (dass ihre damalige Lieblingsgruppe die "EAV" war gilt als unbestätigt...). Sie gewann auch ein paar Musikwettbewerbe, erstes Album mit dem Titel "I wan to fly" (R. Kelly sagte: "I believ I can fly", Lenny Kravitz sang: "I want to fly away"....alles Urlauber in meinen Augen aber bitte....). So weiter gehts (man merkt spätestens hier, dass während meiner Schulzeit Referate vorbereiten (und das ohne Internet, ohne Computer....es war ein Volksfest....das können sich ja die Stammleser (die wahrscheinlich zu 100% um Jahre jünger sind als ich gar nicht mehr vorstellen....))) im Text, wo waren wir...ach ja...es ist mir eine Freude mitzuteilen, dass Frau Ani Lorak im Jahr 2000 für "Korona" Schokolade Werbung machte und auch trotz ihrer Unscheinbarkeit für Schwarzkopf & Henkel.

So, da ich das Beitragslied (und nicht Beitragsleid) schon ein paar Mal gehört (unheimlicher Geheimtipp: You Tube) habe, muss ich sagen es kommt nicht so ganz an den ukrainischen Beitrag vom letzten Jahr heran (und wohl auch nicht an Verkas letzten Hit "Do Re Mi") aber wenigstens gibt sie sich Mühe und das Wichtigste für mich ist, dass sie gesunde Zähne hat meint

Gert

Samstag, 10. Mai 2008

Wenn das Schicksal es gut mit einem meint...

...und die orthodoxen Ostern Ende Mai gefeiert werden und der Ostermontag letzte Woche auf den 28.04 fiel, wenn man weiß, dass in der Ukraine, in Russland und in vielen anderen Staaten nicht nur der erste Mai als Tag der Arbeit gefeirt wird sondern auch der zweite Mai (und nicht wie viele meinen, dass deswegen gefeiert wird, da am zweiten Mai 1997 Tony Blair Premierminister Großbritanniens wurde) und wenn man sich die letzte Woche im Kalender so ansieht, so erkennt man leicht, dass sich daraus eine wunderbare Urlaubswoche ergeben könnte.

(Ergänzend sei hier festgestellt, dass die, die es sich ganz gut gehen lassen wollen, bis einschlieszlich dem neunten Mai freinehmen, da an diesem Tag der "Tag des Sieges" in allen ehemaligen Sowjetrepubliken gefeiert wird. So kann es passieren, dass in eben diesen zwei Wochen ganze Firmen zusperren, nichts produziert wird, nichts geliefert wird, etc....).

Urlaub, immer wieder muß man mich daran erinnern, was das ist und was man da so machen kann in einem solchen Urlaub!? Einen guten Tipp bekam ich dahingehend, dass ich mir doch ein paar Sachen außerhalb von Kiev anschauen könnte und diesen Vorschlag hieß ich gut.

So geschah es, dass ich die letzte Aprilwoche nicht in Kiev war und wo ich genau war laeßt sich anhand der folgenden Bilder sehr leicht erkennen.

Außerhalb von Kiev kann man den Eingang von einem Waisenhaus sehen....



Außerhalb von Kiev gibt es auch viele Taxis.....



Außerhalb von Kiev gibt es auch Anwaltskanzleien, wie zum Beispiel in dieser Stadt eine bekannte mit dem Namen "Cage & Fish", in der ich gern gearbeitet hätte...



Leichtere Hinweise gebe ich nicht meint

Gert

Montag, 21. April 2008

Alle Jahre wieder.....

.....feiert man auch in der Ukraine Ostern und dies passiert kommendes Wochenende, da es der julianische Kalender so haben will (aber nicht nur der Kirchenkalender allein, es hängt auch mit der Mondkonstellation zusammen und des Weiteren muss das orthodoxe Osterfest immer auf den Sonntag nach dem jüdischen Pessah Festes fallen, kompliziert, kompliziert....)

Bis auf den zeitlichen Unterschied bestehen zwischen dem römisch-katholischen und dem orthodoxen Osterfest eher geringe, der Osterhase fehlt halt hier, hätte aber hier aufgrund des Kiever Stadtverkehrs wenig Chancen aufs Überleben und außerdem kam Meister Lampe auch nicht im "Jesus Christ Superstar-Musikstück" vor und nur da wird die wahre Geschichte Jesus erzählt, frei nach dem Andrew Lloyd Webber - Evangelium.

Gestern auf jeden Fall Palmsonntag, das heißt Palmbuschenweihe in der St. Wladimirskathedrale und da war was los. Ich bin ja gar nicht in die Kirche hineingekommen vor lauter Aufregung, die die Ukrainer um mich herum hatten.



Die die es, so wie ich nicht schafften (oder einfach sich den ganzen Trubel nicht antun wollten (so wie ich eigentlich auch)) stellten sich um die Kirche herum



und ließen den Pfarrer erst zu seinem Mittagessen gehen, als er für sie Ehrenrunde um die Kirche herum machte und zwar in einer Geschwindigkeit (war es der Hunger, war es der Durst.....), die daran schuld war, dass ich die "Benny Hill" - Musik nicht und nicht aus meinem Kopf raus bekam.



So blieb noch Zeit, dass sich noch vor dem Mittagessen ein kleiner Spaziergang im nahe gelegenen Kiever botanischen Garten ausging, den ich vorher noch nie besucht hatte, da ich als bekennender Pollenallergiker unbedingt auf das Frühjahr warten wollte. Wenn sie mich fragen wie es wahr, so sage ich, dass ich mir wieder einen Besuch zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen kann. Nicht weil es so unglaublich schön war



(obwohl ich schon irgendwann im letzten Jahr erwähnt habe wie grün Kiev noch teilweise ist und so eine riesengroße Parkanlage in einer Millionenstadt (und dies noch dazu mitten im Zentrum) sicherlich was Gutes hat) sondern weil ich darauf warten möchte, dass noch mehr blüht, was mich dann (+ zusätzlich triefender Nase) davon ablenken kann, dass manche Ukrainer noch nicht so genau wissen, was das ist, was sich Müllkübel nennt.



Sei's drum; jetzt ist bald Ostern und dass man am kommenden Osterwochenende auch einen anderen Jahrestag begeht verschweigt man lieber meint

Gert

Sonntag, 13. April 2008

Es dauert nicht mehr lang.....

.... bis kommenden Dienstag und die Heizperiode endet in Kiev, bevor sie Mitte Oktober wieder startet.

Wenn es mal nicht regnet und wieder kälter wird, dann hat man irgendwie das Gefühl, dass hier in Kiev der Frühling eingekehrt (vielleicht brachte auch George W. Bush den Frühling mit, bei seinem Besuch Ende März in Kiev....) und fleißige Hände säubern schon den Taras Schewtschenko - Park von Winterresten.



Auch der Gärtner, dem es ein Anliegen ist, jedes Blütenblatt dieses Parkes einzeln zu kennen, lässt es sich nicht nehmen, seinem grünen Daumen gerecht zu werden und mit sanftem Nachsetzen jedes Gewächs einzeln zu gießen.



Und die streunenden Hunden, denen ich auf meinem Weg zu meinem Arbeitsplatz jeden Tag begegne (und natürlich oft stundenlang mit ihnen spiele) genießen ihren wohlverdienten Schlaf.



Ein riesengroßer Vorteil besteht auch dahingehend, dass das Biertrinken im Freien, im Vergleich zu den vergangenen Monaten jetzt erheblich mehr Spaß macht und die Bierflasche nicht mehr an der Hand anfriert.



Der Wechsel der Jahreszeiten......wo eben noch Schnee war, beobachtet man jetzt wie Gras wächst, wo eben noch kahle Äste das Bild bestimmten, sieht man einzeln schon Blüten die irgendwann aufgehen werden und wo eben noch kniehohe Stiefel zarte ukrainische Frauenbeine bedeckten erkennt man langsam High Heels, die sich freuen wieder getragen zu werden.

Das "Wunder Natur", meint

Gert

Mittwoch, 2. April 2008

In den letzten Wochen.....

.....hat sich eine interessante Geschichte in der Ukraine entwickelt, die sehr gut das gesellschaftliche Bild dieses schönen Landes widerspiegelt, dass nämlich, sollte von UkrainerInnen etwas umgesetzt werden, immer bis zu einem Zeitpunkt gewartet wird, wo es nicht mehr fünf Minuten vor Zwölf (und ich sah auf die Uhr......(Achtung: Sommerzeit!)) ist sondern fünf Sekunden vor Zwölf und dann geht's rund!! Da hört man von links und rechts: "Katastrophe", "Katastrophe", "Wie kann man nur?", "Wer soll das machen?", " Was, bis zu diesem Zeitpunkt?", als ob die Welt untergehen würde (und ich sage nicht, dass Ukrainer faul sind, ich meine nur, sie gehen Dinge sehr sehr eigenartig an....). Diesen Gemütszustand mancher UkrainerInnen die ich kenne, habe ich schon so oft miterlebt, dass mich das nicht mehr beunruhigt (manche empfinden das als boshaft und fragen:"Wie kann man da nur ruhig bleiben?"....). Wenn man das aber das erste Mal miterlebt hat wird man nervös, weil man zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass eh immer alles irgendwie weitergeht....

Doch lesen sie selbst:

Die Ukrainer habe einen gewissen Nationalstolz. Das ist für ein knapp 17 Jahre altes Land durchaus gut zu heißen, denkt man daran von welch großem Land heraus sie (und viele andere auch) die Unabhängigkeit erklärt hat doch besteht noch immer (und wird immer bestehen) ein schwieriges Verhältnis, zum gröszten, aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen Land, nämlich Russland. Speziell die Sprache machts aus und die Ukrainer sind (zumindest im westlichen Teil) unheimlich stolz auf ihr Ukrainisch und dies ist auch auf Verfassungsebene so vorgesehen:

Dies führte auch zu folgendem Umstand:

Es erkannte im Dezember 2007 das Verfassungsgericht der Ukraine die Verbreitung und Aufführung von ausländischen Filmen, die weder ukrainisch synchronisiert noch untertitelt sind, als gesetzeswidrig an.
Am 18. Jaenner 2008 verbot das Kulturministerium dem Kinematografiedienst die Erlaubnis zur Verbreitung und Aufführung von Filmen, die nicht auf ukrainisch synchronisiert oder untertitelt sind, zu erteilen (Achtung, nutzloses Wissen: Den ersten Film, den diese Regelung traf war "Asterix bei den Olympischen Spielen" letzten Jänner, deswegen kam dieser Film mit einiger Verspätung in die ukrainischen Kinos).

Die Folge:

36 Kinos in 18 Städten der Ukraine stellten ihre Arbeit am 27. Februar für einen Tag, als Zeichen des Protestes gegen die Entscheidung des Kulturministeriums die Vorführung von ausländischen Filmen mit russischer Übersetzung zu verbieten, ein (Nur mein Stammkino hat die Ruhe weg. Ein Mal in der Woche gibt es zu einer bestimmten Uhrzeit einen Film auf Englisch und die anderen sind teilweise auf Russisch, teilweise auf Ukrainisch).

Im Hintergrund sollte man, wenn man die oben stehenden Zeilen liest, immer haben, dass es sich hierbei um ein Gesetz handelt, das Jahre alt (so um 2004 beschlossen, also während der orangen Revolution und so kann man sehen, wie genau man sich an gesetzliche Vorgaben hält und diese auch umsetzt...) ist und nicht mal während der Zeit als Viktor Janukowitsch Ministerpräsident war (und der ist eher auf der pro - russischen Seite) irgendwie zu Gunsten der vorwiegend Russisch sprechenden Bevölkerung im Süden und Osten der Ukraine geändert wurde, weil er sich wahrscheinlich gedacht hat, dass da nie ein Hahn danach krähen werde. Doch jetzt wieder Frau Tymoschenko und die fährt da drüber.....

Es geschah also nichts und jetzt werden alle nervös und die Schreierei fängt an, denn die vorläufige Entwicklung lauft dahin, dass nicht nur Kinofilme sondern vielmehr auch russischsprachige (oder vielmehr nicht in ukrainischer Sprache moderierte) Sendungen im ukrainischen Kabelfernsehen ab März 2009 eingestellt werden müssen, wenn eine Bestimmung des ukrainischen Rundfunkrates in Kraft tritt. Die ukrainischen Kabel - Provider (deren Präsident von der Wiedereinfünhrung der Zensur spricht......) sollen alle Sendungen ausländischer Anbieter in die ukrainische Sprache übersetzen, was vor allem bei Livesendungen lustig sein dürfte. Fairerweise muss man dazusagen, dass bei vielen Filmen, die ins Russische oder Ukrainische synchronisiert wurden, es ungefähr so abläuft, dass ein Mann alle Männerrollen spricht und vielleicht auch Kinder (und zwar in einer Emotionslosigkeit, dass im Vergleich dazu, ein Bruno Gironcoli als Clubanimateur durchgeht) und wenig überraschend eine Frau alle Frauenrollen und vielleicht auch Kinder (und die auch in einem Temperament, wie die Stimme bei der Telephonzeitansage). Des Weiteren macht man sich auch nicht die Mühe die Originaltonspur abzuschalten sondern macht sie vielleicht ein bißchen leiser. Also dauert die Synchronisationsarbeit höchstwahrscheinlich genauso lang wie der Film. Effizient und günstig ist es, keine Frage.
Wie das bei Livesendungen zu handhaben sein wird, weiß man noch nicht. Mein Vorschlag, von der UNO ein paar Dolmetscher ausborgen, die werden das wohl schaffen!

Was macht man aber im vorliegenden Fall:

Auf dem von mir schon in einem vorhergehenden Beitrag gepriesenen ukrainischen Musikfernsehsender "M1" gibt es eine Frühstücksshow die nennt sich schlicht "Guten Morgen". Sehen sie selbst, Herr und Frau Stammleser:
http://m1.tv/ua/products/gut_morgen/

Jeden Werktag pünktlich zwei Minuten vor 8.00 Uhr Früh, werden auf eher nicht "Knoff Hoff Niveau" Experimente vorgeführt (die fast immer schief gehen) und dieser Teil der Morgenshow heißt: "Guten Experiment".

Die Aerobic - Fünf - Minuten (wo man gespannt beobachten kann, wie die Moderatorin in kurzem Kleid und mit kniehohen Stiefeln einfache Turnübungen mitvorführt) nennt sich "Hände Hoch"



und werden Kochrezepte vorgestellt, so geschieht das unter der Rubrik "Guten Appetit".



So, lieber ukrainischer Gesetzgeber, was machen wir da? Wir haben eine Sendung von einem ukrainischen Sender, in der nur ukrainisch gesprochen wird, wo ein paar Mal während der Sendung, die oben erwähnten deutschen Redewendungen vorkommen (und sogar am Bildschirm stehen)........geht das, geht das?

Wenn das kein Grund zur Anlassgesetzgebung ist, dann weiß ich auch nicht mehr meint

Gert